Landkreis Leipzig Journal

Beteiligung im Landkreis Leipzig – Wie Jugendliche mitreden

Podiumsdiskussion bei der Fachtagung „Jugendbeteiligung im Landkreis Leipzig“: Fachkräfte, politische Vertreterinnen und Vertreter sowie Jugendliche diskutieren gemeinsam über Wege erfolgreicher Jugendbeteiligung.
Junge Menschen aktiv in die kommunalen Entscheidungsprozesse einzubeziehen – diesen Wunsch bekräftigten die Kreisrätinnen und Kreisräte des Landkreises Leipzig 2023 und verabschiedeten das gemeinsam mit Jugendlichen und Fachkräften entwickelte Konzept zur landkreisweiten Jugendbeteiligung.
Ziel ist es, Jugendlichen eine echte Mitbestimmung zu ermöglichen – nicht nur bei großen Entscheidungen, sondern auch im Kleinen, Schritt für Schritt. Genau diesen Ansatz verfolgten Sarah Tilschner, Jugendhilfeplanerin, Magdalena Franke-Müller, Koordinatorin der Lokalen Partnerschaft für Demokratie, und Ahmet Madak, Koordinator für Jugendbeteiligung, mit dem Modellprojekt „Jugendbeteiligung auf Landkreisebene ermöglichen“, das vom Freistaat Sachsen gefördert wurde und bis zum Ende des vergangenen Jahres lief.
Im Rahmen des Projektes konnten Jugendliche ihre Perspektiven in Workshops, Gesprächsrunden und Veranstaltungen einbringen. Höhepunkte waren die FUTURE-Jugendkonferenz und das FUTURE-Festival zum Strukturwandel, der Fachtag Jugendbeteiligung sowie die Einbindung des Kreisschülerrates in den Jugendhilfeausschuss. „Die Konferenz und das Festival wurden von Jugendlichen selbst mitorganisiert. Ihre Themen und Ideen standen im Mittelpunkt“, erklärt Ahmet Madak. Begleitet wurde die Veranstaltung, die im vergangenen August im Kulturpark Deutzen stattfand, von Fachkräften, von Landrat Henry Graichen, vom Umwelt- bzw. Gesundheitsamt sowie von der Stabsstelle des Landrates für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung.. Die Ergebnisse flossen in das Marketing- und Kreisentwicklungskonzept des Landkreises sowie in die Jugendhilfeplanung ein. Aus der Konferenz entstand zudem ein DJ-Workshop in einem Jugendclub, der mit Unterstützung des Jugendamts umgesetzt wurde.
Auf der FUTURE-Konferenz im Kulturpark Deutzen diskutieren Jugendliche aktiv in einer Gesprächsrunde– hier standen ihre Ideen und Perspektiven im Mittelpunkt.“ (Foto: A. Madak)
Besonders prägend war für viele Jugendliche die persönliche Begegnung mit Entscheidungsträgerinnen und -trägern. Einige hatten zuvor noch nie einem Landrat oder einer Amtsleiterin gegenübergesessen. „Die Jugendkonferenz schuf Raum für Gespräche auf Augenhöhe – auch für junge Menschen, die nicht politisch aktiv sind und sonst selten Gehör finden“, so Madak.
Darüber hinaus lernten Jugendliche die Arbeit der Gremien des Landkreises kennen. Sie besuchten den Jugendhilfeausschuss und den Kreistag, verfolgten die Tagesordnung und diskutierten die dort behandelten Themen.
Ein weiterer wichtiger Schritt: Auf Antrag wurde im Kreistag beschlossen, dass die Vorsitzende des Kreisschülerrates nun als beratendes Mitglied im Jugendhilfeausschuss mitwirkt. Damit wird die Stimme der jungen Generation direkt in kommunale Entscheidungen eingebracht.
Die Erfahrungen aus dem Projekt zeigen auch, dass Mitbestimmung oft im Kleinen passiert. Ein Jugendlicher, der in einer Jugendhilfeeinrichtung lebt, erzählte zum Beispiel: „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.“ Damit meinte er keine Strenge, sondern die Realität: Das Angebot hängt vom Budget, vom Supermarkt und von der Jahreszeit ab – „was Natur oder halt Gott einem gibt“. Dieses Beispiel verdeutlicht: Beteiligung passiert nie im luftleeren Raum. Kinder und Jugendliche bringen ihre Wünsche ein, Erwachsene organisieren Zeit, Geld und Aufgaben. Mitbestimmung bedeutet nicht, alles zu bestimmen, sondern zu verstehen, was möglich ist – und innerhalb dieses Rahmens aktiv mitzugestalten.

Wer selbst Ideen oder Erfahrungen zur Jugendbeteiligung einbringen möchte, kann sich per E-Mail melden: jugendbeteiligung@lk-l.de

reg

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