Landkreis Leipzig Journal

Das Wasserstoff-Kernnetz kommt nach Mitteldeutschland

Anwendungen und Perspektiven für die Industrie

Foto: Adobe Stock/eleonimages
Mit dem Aufbau des deutschlandweiten Wasserstoff-Kernnetzes nimmt die Energiewende zunehmend konkrete Formen an. Auch Mitteldeutschland wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Welche Chancen sich daraus für Unternehmen und die regionale Wirtschaft ergeben, war Thema einer Informationsveranstaltung der IHK zu Leipzig am 21. Mai.
Das Wasserstoff-Kernnetz ist als zentrale Infrastruktur für den Transport von Wasserstoff in Deutschland geplant. Es soll künftig Erzeugungsstandorte, Importterminals, Speicher, Kraftwerke und industrielle Verbraucher miteinander verbinden. Vorgesehen ist ein rund 9.000 Kilometer langes Leitungsnetz, das überwiegend aus bereits vorhandenen Erdgasleitungen besteht, die für den Transport von Wasserstoff umgerüstet werden. Ergänzt wird das Netz durch neu gebaute Leitungsabschnitte. Auf diese Weise kann bestehende Infrastruktur genutzt und der Ausbau wirtschaftlicher gestaltet werden.
Die Investitionen in das Kernnetz belaufen sich auf rund 19 Milliarden Euro. Nach der Genehmigung durch die Bundesnetzagentur soll das Netz schrittweise bis Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen. Damit wird die Grundlage geschaffen, Wasserstoff in größeren Mengen zuverlässig dorthin zu transportieren, wo er für industrielle Prozesse oder zur Energieversorgung benötigt wird.
Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für eine klimafreundliche Industrie. Insbesondere in Bereichen wie der Chemie-, Stahl-, Glas- und Zementindustrie lassen sich viele Prozesse nur schwer vollständig elektrifizieren. Überwiegend wird Wasserstoff in der Chemie als Rohstoff genutzt. Aktuell wird der Wasserstoff aus Erdgas gewonnen, der sogenannte „Graue Wasserstoff“.
Grüner Wasserstoff, der mithilfe von Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, kann hier fossile Energieträger ersetzen und dazu beitragen, den Ausstoß von Kohlendioxid deutlich zu reduzieren. Auch wasserstofffähige Gaskraftwerke werden künftig eine wichtige Rolle spielen, um die Stromversorgung in Zeiten mit geringer Wind- und Solarstromerzeugung abzusichern.
Für Mitteldeutschland bietet das Wasserstoff-Kernnetz erhebliche Entwicklungschancen. Die Region verfügt mit ihrer leistungsfähigen Chemieindustrie, energieintensiven Produktionsstandorten und einer gut ausgebauten Gasinfrastruktur über sehr gute Voraussetzungen für den Wasserstoffhochlauf. Das mitteldeutsche Chemiedreieck rund um Leipzig, Halle und Bitterfeld-Wolfen zählt zu den bedeutendsten Industriestandorten Deutschlands und soll künftig direkt an das europäische Wasserstoffnetz angebunden werden.
Im Rahmen der IHK-Veranstaltung wurden die aktuellen Netzausbauplanungen vorgestellt und erläutert, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Dabei standen unter anderem Fragen zu Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff, künftigen Preisentwicklungen, technischen Voraussetzungen sowie zu regulatorischen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Zudem wurde aufgezeigt, wie Unternehmen bereits heute die Weichen stellen können, um künftig von einer Anbindung an das Wasserstoffnetz zu profitieren.
Besonderes Interesse galt den Perspektiven für produzierende Unternehmen und kleine und mittlere Betriebe, die ihren Energieeinsatz langfristig klimafreundlicher gestalten möchten. Wasserstoff kann dabei nicht nur zur Reduzierung von Emissionen beitragen, sondern auch neue Geschäftsmodelle und zusätzliche Wertschöpfung in der Region ermöglichen. Vor allem der Export von Technik für Wasserstoff birgt Potenziale.
Auch wenn der Ausbau noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird, ist die Richtung klar: Wasserstoff wird künftig eine zentrale Rolle in der Energieversorgung und in industriellen Prozessen spielen. Die IHK zu Leipzig spricht sich für eine Nutzung von Wasserstoff dort aus, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist. Um die volkswirtschaftlichen Kosten möglichst gering zu halten, plädiert sie zugleich gegen eine Überdimensionierung der Infrastruktur. Langfristig werden wir in der Industrie und für das Energiesystem jedoch unbedingt grünen Wasserstoff benötigen. Das Wasserstoff-Kernnetz schafft dafür die notwendige Infrastruktur und stärkt zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Mitteldeutschland. Unternehmen, die sich frühzeitig mit den Möglichkeiten dieser Technologie beschäftigen, können sich langfristig wichtige Vorteile sichern.

Bei Fragen wenden Sie sich an die IHK zu Leipzig:
Benjamin Rummel, Energiepolitik
E-Mail: benjamin.rummel@leipzig.ihk.de

red

Previous Post