
Den Schwerpunkt bildeten dabei zwei Gesprächsabende unter dem Titel „Einladung zum Betriebsvergnügen“, bei denen Zeitzeugnisse wie Brigadebücher, Fotografie, Literatur, Kunst, Musik und Objekte wie Biergläser, Bierdeckel und Trinkbranntweinflaschen, aber auch eigene Erfahrungen zu Arbeitskultur, Feiern und Alkoholkonsum in der DDR thematisiert und diskutiert wurden. Gab es einen besonderen Umgang mit Alkohol in der Bergbauarbeit? Unterschieden sich Arbeitsfeiern zwischen Ost und West? Ist eine Feierkultur verloren gegangen? Wie feiern wir heute?
Wichtige Quelle und Ausgangspunkt für das Projekt waren Brigadebücher. Dabei handelt es sich um Chroniken der Brigaden bzw. Kollektive – so die Bezeichnungen für Arbeitsgruppen in allen Betrieben der DDR – in denen Einblicke in den Arbeitsalltag, politische Stellungnahmen, Ausflüge und Arbeitseinsätze, aber auch besondere Ereignisse wie gemeinsame Feiern festgehalten wurden. Im Zuge der Veranstaltungen wurden DOKMitt ein ganzer Stapel Brigadetagebücher aus Espenhain für seine Sammlung zur Bergbaugeschichte im Mitteldeutschen Revier geschenkt.
Zum Abschluss erscheint eine kleine Broschüre, die im Ladenlokal des DOKMitt in der Bahnhofstraße 32 ausliegt.
Das Projekt konnte mit Unterstützung der Kulturstiftung des Landes Sachsen und der Kulturförderung des Landkreises Leipzig umgesetzt werden.
Yvonne Anders beschäftigte sich bereits 2019 im künstlerischen Projekt „Ehemalige treffen. DDR-Arbeitsmigration in Rötha und Espenhain“ mit Brigadebüchern. Dabei stieß sie auf zahlreiche unterhaltsame Berichte über Brigadefeierlichkeiten und den darin oft erwähnten Alkoholkonsum.
Marcel Raabe hat seine persönlichen Erlebnisse von den Umbrüchen der 1990er-Jahre in Form eines Erinnerungszettelkastens in seinem Buch „Westen Werden“ festgehalten. In der „Skizzenbuchreihe“ seines Verlages Trottoir Noir erschienen unter anderem Publikationen, die sich mithilfe von Randnotizen, persönlichen Materialien und Dokumenten mit der jüngeren Industrie-, Bergbau- und Arbeitergeschichte der Region auseinandersetzen.
Ida Mahlburg DOKMitt e. V.