Bornaer Stadtjournal

Ostern ist mehr als ein Frühlingserwachen

Foto: Adobe Stock/Monkey Business
Goethes Gedicht „Osterspaziergang“ ist mindestens genau so berühmt wie das Werk (Faust 1), in welchem der Monolog eine wichtige Rolle spielt. Der alte Dr. Faust, geht mit seinem Medizinstudenten Wagner vor die Tore der Stadt und erklärt ihm ganz beiläufig, aber mit mächtigen Worten, das Osterfest. Es ist die Hoffnung der Menschen auf einen Neuanfang nach einem langen Winter und zeigt die Verbundenheit der Natur mit dem Menschen. In dem Gedicht findet sich aber auch der Grund des Feierns am Ostersonntag wieder. Die Auferstehung. „Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn. Denn sie sind selber auferstanden“, so lautet es im Akt „Vor den Toren“ aus der Feder des Geheimrates Johann Wolfgang von Goethe.
Es ist der Grund, warum wir immer noch das Osterfest feiern. Obwohl es den meisten nicht mehr bewusst ist, sind fast alle unsere Feiertage christlichen Ursprungs, die auch in der Verbundenheit mit der Natur stehen. Von Aschermittwoch bis zum Osterfest sind es 40 Tage. Der Ostersonntag wird nach dem ersten Frühlingsmond, ergo dem Frühlingsvollmond gefeiert. So erkennt man deutlich, dass unsere Altvorderen die kalendarische Zeitrechnung am Mond festmachten.
Es sind die Tage, die wir Christen als Passionszeit bezeichnen und in die Fastenzeit eintreten. Ursprünglich war das eine Zeit der Sündenbuße. Eine Sünde unserer Zeit, welcher wir durch die ständige Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln unterliegen, ist die Völlerei. Die Fastenzeit wird auch von vielen Nichtgläubigen genutzt, um auf bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke zu verzichten. Einige verzichten auf einen hohen Zuckerkonsum. Verbannen für 40 Tage die Schokolade, Gummibärchen, süße Limo oder Chips aus ihrem Leben. Andere fasten intensiv eine ganze Woche lang. Der Verzicht auf Alkohol in den 40 Tagen der Passionszeit hat sich ebenso bewährt und zeigt vielen Menschen auf, dass man es auch ohne Bier und Wein aushalten kann. Danach zeigt sich, dass sie ihren Alkoholkonsum auch im Rest des Jahres hinterfragen.
Die Suche nach den Ostereiern, vor allem denen aus Schokolade macht dann am Ostersonntag viel mehr Freude. Man gönnt sich gutes Essen mit der Familie und feiert durchaus bewusster das Osterfest, wenn man auf etwas verzichten konnte. In Deutschland ist es eine Familientradition nach einem üppigen Essen sich die „Beine zu vertreten“. Das passiert dann auch an Ostern und Schwupps sind Sie mitten im Osterspaziergang und jauchzen vielleicht auch voller Freude „Hier bin ich Mensch, hier darf ich`s sein!“

Manuela Krause

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